DAS BUCH DER KÖNIGREICHE

Universelles Fantasy Pen-and-Paper Rollenspiel Setting

Charakterklasse Seemann

SC mit maritimen Background

Auf eine Schiffsreise begeben sich früher oder später fast alle Spieler. Deshalb: Wie wäre es mal mit einem maritim geprägten Hintergrund? Mit einer Charakterklasse Seemann, Navigator oder Bootsbauer? Diese kann sich im Pen-and-Paper Rollenspiel auf Schiffsreisen als sehr nützlich erweisen.

Hintergrund eines Seemanns

Du stammt aus der Küstenstadt Aran im Königreich Teros-Saral und bist Sohn einer einfachen Arbeiterfamilie. Dein Vater Galdur war abenteuerlustig und hatte bereits in jungen Jahren vor der Vermählung mit Deiner Mutter Celine auf einem brinaler Kaufmannsschiff als Matrose angeheuert. So war er häufig über Monate, manchmal über Jahre in der weiten Welt unterwegs und nur wenig für die Familie da. Diese lebte in einer einfachen Kate, einem geduckten Fachwerkhaus, in beengten Verhältnissen. Denn nach jeder Heimkehr Galdurs war Celine guter Hoffnung und brachte ein Kind zur Welt: In den drei Jahren vor Deiner Geburt erblickten Deine Brüder Groderec und Thoman sowie Deine Schwester Salena das Licht der Welt. In schwierigen Zeiten kamt ihr nur über die Runden, da Deine ebenfalls noch im Haus lebenden Großeltern Taron und Marion ein paar Hühner und Schafe hielten, Gemüse anbauten und Tagelohn-Dienste ausübten. Und das tun sie bis heute.

Dein Vater, der Steuermann

Mehr als 20 Jahre fuhr Dein Vater zur See, gelangte dabei aber nie zu Reichtum. Dank seiner Lebenserfahrung und seinen seemännischen Fertigkeiten brachte Galdur es allerdings bis zum Steuermann. Nie hatte der Seemann eine Schule besucht, doch er gewann die Freundschaft des Kapitäns Jasim. Dieser stammte ebenfalls aus Aran und aus ärmlichen Verhältnissen, was sie in der Fremde vielleicht besonders verband. Jasim ermöglichte Deinem Vater das Erlernen des Lesens und Schreibens und den Zugang zu Büchern sowie nautischen Instrumenten und damit seinen schon ungewöhnlichen Aufstieg. Zahlreiche Schiffsreisen führten Deinen Vater – so wie Du es gehört hast – in viele Städte und mehrere Königreiche. Während einer dieser Reisen wurde nach Deiner Zeugung sein Schiff von fanorischen Piraten gekapert und er getötet. Der Schiffskapitän Jasim kam hingegen nach einigen Jahren zurück, weil er in Gefangenschaft geraten war und ein Kompagnon aus Brinala für ihn ein horrendes Lösegeld bezahlt hatte. So hat Celina Dich im Jahr 606 nach teros-saraler Zeitrechnung zur Welt gebracht, ohne dass Du eine Chance hattest, Deinen Vater kennenzulernen. Die Seemannskiste mit Galdurs Habseligkeiten übergab Jasim ihr ohne viele Worte und kehrte seitdem einmal jährlich im Winter wieder, um Deiner Mutter einige Goldstücke zu überreichen.

Von Reepschlägern und Bootsbauern

Die Gassen Arans hast Du Dir als Junge erobert und viel herumgeschnüffelt. Zu Deinem Leidwesen hatten viele Einwohner Arans, ihre Geschäfte und ihr Alltag wenig mit der Seefahrt zu tun. So gerne wolltest Du mal eine Schiffswerft sehen oder mehr über die Geheimnisse der Navigation herausfinden. Diese erschien Dir wie geheimnisvolle Magie. Der Reepschläger Belen und der Bootsbauer Gwennaír waren einige der wenigen Menschen, die Dich nicht verscheuchten und Dir gerne etwas erzählten. Und auch etwas zu erzählen hatten. Insbesondere Gwennaír, der hier hauptsächlich kleine Ruderboote instandsetzte, schilderte Dir allzu gerne von seiner Arbeit in einer Werft in der Stadt Tar-Garvon. Dort war er einige Jahre in Lohn und Brot. Bei Gwennaír hast Du dann eine Lehre beginnen dürfen. Du hast Dich dabei als talentiert erwiesen, doch fehlte Dir von Anfang an das Abenteuer. Boote zu reparieren erschien Dir nicht so spannend, wie den Wellengang zu spüren.

Seemannsgarn im Silberfisch

Die Abbildung zeigt einen im Wasser heimischen Drachen gesehen vor den Küsten des Königreichs Andor.
Ein gewaltiger Wasserdrache - Seemannsgarn oder tatsächlicher Schrecken der Meere? Kein Seefahrer möchte diesem Ungeheuer begegnen.

In der Hafenschenke Zum Silbernen Hering bist Du verbotenerweise als Jugendlicher viel herumgelungert und hast Dein karges Lehrgeld auf den Kopf gehauen. Böse Zungen nannten dieses schmuddelige Haus auch Silberfisch und lagen damit nicht weit daneben. Deine Mutter sah so etwas gar nicht gerne, aber Dich zogen die Besucher - überwiegend aus der maritimen Welt - einfach magisch an, auch wenn diese und die Kaschemme ziemlich übel waren. Denn dort konntest Du die Freiheit und das Abenteuer spüren. Natürlich bekamst Du es auch mit Halsabschneidern zu tun und mit Maulhelden, die dem Wasser in ihrem Leben kaum näher gekommen waren als während ihrer großen Reden in der Spelunke nahe der Klippe zum Wasser. Aber es gab sie dort zu finden: Die Seeleute, die mit einer Brinaler Kogge aus dem Königreich Andor gekommen waren und nicht nur Seemannsgarn zu erzählen hatten. Und einmal konntest Du – Hände und Füße sei Dank – sogar mit Seemännern eines großartigen arathanischen Kauffahrers, eines viermastigen Seglers, sprechen. Da in den vergangenen Jahren das Brinaler Handelskontor, für das Dein Vater auf See geblieben war, sein Geschäft in Aran mehr und mehr ausgebaut hatte, waren Männer aus dem Königreich Andor aber eher anzutreffen. Und die Packer, Handlanger und all die anderen in Aran heimischen Arbeiter, die für das Kontor und andere Händler – darunter Ganael Aldakri, ein reicher Sohn der Stadt – jeden Tag hart schuften mussten. In dieser Zeit hast Du nicht nur vielem Seemannsgarn gelauscht, sondern auch mitbekommen, wie hart Kaufleute miteinander konkurrieren und dass bei Streitigkeiten zwischen rauen Männern ein Dolch mal in einem Bauch steckt.

Ein Schiffsjunge geht an Bord

Ein Raubfisch, ein skurril anmutendes Meeresgetier, eine Muschel und zwei Unterwasserpflanzen sind nur ein Ausschnitt aus einer fremden Welt.
Die Fauna und Flora der Meere der Pen-and-Paper Welt sind regional unterschiedlich und tragen zu individuellen Charakteristika der Regionen bei.

Über den Bootsbauer Gwennaír hast Du vor drei Jahren schließlich einen araner Kaufmann namens Aldur kennengelernt. Ihn machte für Dich interessant, dass er einen kleinen Küstenschoner sein Eigen nannte. Mit diesem transportierte er Waren und Passagiere zwischen Aran und Tar-Garvon. Mit gerade einmal 15 Lebensjahren konntest Du ihn überzeugen, Dich als Schiffsjungen mit an Bord zu nehmen. Geringe Heuer, schwankende Planken, mieses Essen und wenig Schlaf konnten Dich nicht schrecken, sodass Du einige Touren zwischen Aran und Tar-Garvon, immer dicht unter Land, mitgefahren bist. Deine Mutter Celine war nicht wirklich begeistert von Deiner Entscheidung. Und auch Dein Lehrherr Gwennaír ließ Dich nicht gerne ziehen. Aber alle akzeptierten schließlich Deine Wahl.

Trinkbruder in der Spelunke

Im Juni 623 hast Du in Deiner Stammschänke Zum Silbernen Hering einen jungen Burschen kennengelernt, mit dem Du den einen oder anderen Becher leeren konntest: Henric war nur wenige Jahre älter als Du. Er war kein Seemann, dafür aber ein guter Gesprächspartner und Trinkbruder. Er hatte sich ein schäbiges Zimmer im Obergeschoss der Spelunke gemietet und verbrachte viele Abende trinkend. Nach einigen Gesprächen rückte er damit raus, dass er vor einigen Monaten von dem fiesen, fetten Seneschall Torbet aus der hiesigen Burg Bärenfels geprügelt worden war. Bloß weil er sich etwas aus der Küche stibitzt hätte. Ohne seine Anstellung als Reiter und Bote war er mittellos und ihn schien seit Monaten das Glück verlassen zu haben. Seine Kleidung war mittlerweile etwas zerschlissen, sein lockiges Haar etwas lang und sein Bart wurde auch nicht mehr täglich gestutzt. Von seinen Habseligkeiten waren ihm in der Not kaum mehr als sein Schwert, ein Wurfdolch, etwas Kleidung und ein wattierter, fast bis zum Boden reichender Wollmantel geblieben. Sein altes geschecktes Saral-Pferd hatte er in einem Mietstall unterbracht. Gelegentlich wart ihr zusammen unterwegs und habt mit seinem Wurfdolch Jagd auf Ratten, Mäuse und Füchse gemacht. In und rund um Aran gab es außer Schafen, Ochsen und Hausschweinen eben kaum lohnenswerte Beute. Den Umgang mit dieser Waffe hast Du sehr schnell erlernt und ihm schließlich diese Waffe abgekauft. Sie war aus Stahl gefertigt, von guter Qualität und lag Dir prima in der Hand. Und er konnte das Geld gut gebrauchen.

Pockenkrankheit an Bord der Abendstern

Die Zeichnung zeigt das in der Tiefsee lebende Monster Wardis - vollständig blass geschuppt und schleimig ist der kalte, nasse Leib der skurrilen schimärischen und androgynen Gestalt.
Selten bekommen Seeleute diese schrecklichen Meeresungeheuer zu sehen. Und die wenigen können danach zumeist nicht mehr berichten.

Ein Ereignis im November 623 wühlte einige Menschen auf und wurde über Wochen zum wichtigsten Thema in der Schänke Zum Silbernen Hering. Denn mit einem Schiff des Brinaler Handelskontors – der Brinaler Kogge Abendstern – kam eine neue Gefahr in die Hafenstadt Aran: Zum Schrecken aller grassierte auf dem Schiff eine Pockenkrankheit – nicht alle, aber mehrere Besatzungsmitglieder waren erkrankt. Die Kogge Abendstern wurde unter Quarantäne gestellt; die Besatzung durfte das Schiff nicht verlassen. Zum Glück ging die Geschichte gut aus, wie Du später von andorischen Matrosen erfahren hast. Dieser hat Dir auch erzählt, dass an Bord des Schiffes der neue Botschafter des andorischen Königshauses im Königreich Teros-Saral gewesen sein soll. Dieser Mann namens Julian Armand entstammte angeblich einer sehr wohlhabenden Händlerfamilie aus Andoria, die maßgeblich die Geschicke der dortigen Gilde der Kaufleute mitgestaltete. Sein Vater Charles Armand wäre als alter Fuchs bekannt, dessen Gerissenheit und Kaltschnäuzigkeit bewundert werden würde. Als der Diplomat im Brinaler Handelskontor untergebracht worden war, riefen ein paar Männer im Silbernen Hering zu Protesten auf. Diese verebbten vor dem Brinaler Handelskontor aber schnell.

Verhaftung in der Schänke

Etwas Bemerkenswertes trug sich noch vor wenigen Monaten zu: Du hast die Verhaftung des Wirtes Todd und Deines Freundes Henric in eurer Schänke im Februar 624 durch die Büttel der Stadt verfolgt. Diese tauchten mit mehreren Mann auf, packten die beiden unsanft und schleiften sie davon. Beide tauchten nicht wieder auf. Keiner im Silbernen Hering konnte Dir sagen, was sie verbrochen hatten. Wiedergesehen hast Du bis heute keinen von beiden.

Ein Seemann, eine Seekiste

Im Frühjahr 624 warst Du zu einem stattlichen, jungen Mann herangereift. Der auf eigenen Beinen stehen konnte. Deine älteren Geschwister hatten mittlerweile eigene Familien in und rund um Aran gegründet und in eurem Haus blieben nur Deine Mutter und Deine Großeltern zurück. Dies war wohl der richtige Moment, Dir die Seekiste Deines Vaters zu überreichen. Im Blick Deiner Mutter Celine hast Du zugleich Stolz und Angst gesehen. Dein Herz pochte wie ein Schmiedehammer, als Du die schwere Holzkiste öffnetest und wahre Schätze vorfandest: ein kostbares Buch über Nautik, eines mit zahlreichen feinen Strichzeichnungen von Segelstellungen und Seemannsknoten, ein paar Seekarten und sogar ein Tiefenlot. Andere Alltagsdinge eines Seemanns stellten keinen besonderen materiellen Wert dar, waren für Dich aber von ideeller Bedeutung. Nachdem die größte Aufregung verflogen war, überreichte Dir Deine Mutter eine schon Jahre alte Urkunde und teilte Dir mit, dass Du eine jährliche Leibrente vom alten Freund Deines Vaters in Höhe von unglaublichen zehn Goldstücken im Jahr erhalten würdest. Diese könntest Du Dir immer im Dezember im Brinaler Handelskontor unter Vorlage dieser Urkunde auszahlen lassen. Aus dem Staunen kamst Du nicht mehr heraus, als Deine Mutter Dir ein für Dich geschmiedetes Kurzschwert und einen neu gefertigten Brustharnisch schenkte. Ein unglaublicher Tag.

Das Abenteuer ruft

Die vergangenen zwei Monate hast Du intensiv genutzt, um Dich mit dem Nachlass Deines Vaters zu beschäftigen. Und es hat Dich darin bestärkt, dass die Stadtmauer Arans zu eng für Dich geworden ist. Das Abenteuer ruft!