Die Grafik zeigt den Buchtitel von der 500 Seiten starken Publikation DAS BUCH DER KÖNIGREICHE mit einer Pen-and-Paper Rollenspiel Welt.

Pen-and-Paper: Fürstensohn in den Schatten

Charakterklasse Nachtklinge

Das Bild zeigt ein Spinnennetz als Metapher für die Motivationen, Ziele und Wünsche der NSC und SC im Pen-and-Paper Rollenspiel.Meuchelmörder! Assassin! Nachtklinge! Waldläufer im Rollenspiel dürfen spannende Biographien haben, die über das Klischee der Profession hinausgehen. Diese Profession ist für den Spielleiter nicht leicht in sein Spiel einzubetten. Vor allem, wenn der SC auch magische Fertigkeiten mitbringt und aus adligem Haus kommt. Ja, er hat tatsächlich bei einem Wurf mit dem W100 zur Ermittlung des Status seiner Eltern eine 100 gewürfelt. Wie ich diesen Fürstensohn der Schatten in meiner Welt (Spielhilfe DAS BUCH DER KÖNIGREICHE) gruppenkonform und spielbar gemacht habe, kannst Du hier lesen:

Du lebst seit vielen Jahren in der Küstenstadt Aran im Königreich Teros-Saral. Zurückgezogen und stets vorsichtig. Unter einem Namen und mit einer Lebensgeschichte, die es tatsächlich gar nicht gibt. Die letzten zwei Drittel Deines bisherigen Lebens warst Du der Sohn aus erster Ehe des Kaufmanns Farmon. Über den die Kaufmannselite der Stadt, insbesondere die steinreichen Aldakris und ihre Freunde im Zünftehaus, stets ein wenig abfällig lächelte. Denn Farmons Kontor konnte in einem Dutzend Jahren Bestehen kaum je einen der einflussreichen Konkurrenten in einem Geschäft ausstechen noch sich ein eigenes wirklich lukratives Standbein aufbauen. Über den Ruf eines „kleinen Krämers“ ist der Mann niemals hinausgelangt. Und wird es auch nicht mehr, da er vor wenigen Monaten (im März des Jahres 624 nach Gründung des Königreichs) verstorben ist. Vergiftet, vermutest Du. Was Du aber nicht an die große Glocke hängen möchtest. Klingt erst einmal ungewöhnlich, wird sich für Dich aber noch erschließen.

Deine Familie und wie sie sich auflöst

Deine Stiefmutter Bryette lernte Farmon in der Stadt kennen und heiratete ihn bereits nach kurzer Zeit. Wenig später erblickte Mathilde das Licht der Welt – sie blieb das einzige Kind des Paares. Zur jüngeren Stiefschwester bautest Du schnell ein herzliches Verhältnis auf, während die Beziehung zu Deiner Stiefmutter stets unterkühlt war. Und vor wenigen Tagen damit endete, dass sie das kleine Haus und Grundstück verkaufte und mit ihrer Tochter zu ihrer Familie in die Hauptstadt Teros zog. Der Verlust Deines väterlichen Vorbildes Farmon, des Bandes zu der kleinen Mathilda und Deines Bettes und bescheidenen Auskommens veränderte Dein Leben – auch wenn viel davon eine Illusion war – abrupt. Es ist nun an der Zeit, an der eigenen Legende zu schreiben!

Blick in die dunkle Vergangenheit: Kindheit in Modrock

Als Kleinkind nanntest Du mit unerschütterlicher Gewissheit den alten Alchemisten Malgatan Deinen Vater, auch wenn es keine Nähe zwischen euch gab und Du Angst vor ihm hattest. Geradezu abgöttisch liebtest Du dagegen Deine Mutter Leonora, die bestimmt 30 Jahre jünger war. Und Dein Geburtsname im Jahr 645 nach Ausrufung des Fürstentums Modrock lautete Barian. Euer Leben spielte sich nicht in Aran ab, sondern viele hundert Kilometer entfernt in der Stadt Modrock des gleichnamigen Fürstentums. Du bist in ein Haus hineingeboren, das über unheimlichen Reichtum verfügte. Deine Familie zählte zum erlauchten Kreis der gehobenen Gesellschaft und es war nicht ungewöhnlich, dass der Thari – Titel: Fürst und Regent des Fürstentums Modrock! – zu Festivitäten das vornehme Haus Deines Vaters aufsuchte. Aus dieser Zeit besitzt Du noch ein paar verschwommene Erinnerungen. Auch daran, wie der Thari namens Borius Dir empfindsam und freundlich begegnete.

Erzähl mir mehr über Modrock!

Modrock, die Hauptstadt des kleinen Fürstentums, ist eine Felseninsel inmitten eines lebensfeindlichen Sumpfes, der als Gorlonmarsch bezeichnet wird. Die steil zur Mitte ansteigende Insel ist dicht bebaut, auf schmalen Simsen thronen hohe Häuser und auf fast jedem bebaubaren Quadratmeter steht ein Gebäude. Verschachtelte Steinhäuser, Türme und Mauern ergeben ein bizarres Bild einer kleinen Stadt mit engen Gassen, die sich um den Fels winden. Die Häuserfassaden sind reich mit Ornamenten verziert und zahlreiche Wasserspeier blicken aus allen Höhen auf die durch die Straßen wandernden Thar hinab. Nicht mehr viel ist in Deiner Erinnerung an den Ort Deiner frühen Kindheit verblieben, aber Du bist Dir sicher: Modrock (zu einer Leseprobe Fürstentum Modrock) ist so ganz anders als die Küstenstadt Aran.

Wege zweier Spieler kreuzen sich in Modrock

Eines Tages beobachtetest Du aus der behaglichen Stube heraus durch ein Fenster einen älteren Jungen und ein gleichaltriges Mädchen. Eisiger Wind pfiff durch die Gasse und Regen peitschte auf die Leiber hinab. Auf der Suche nach Hilfe irrten sie durch die Straßen, doch Tür um Tür, an der sie flehend klopften, wurde ihnen vor der Nase zugeschlagen. Zu Deinem Entsetzen auch eure. Obwohl der Junge an Sumpffieber litt und dem Tode nahe war. An die entsetzten Augen des Mädchens und ihren besonderen Blick – ihre Iriden waren unterschiedlich farbig – erinnerst Du Dich heute noch. Als Du hörtest, dass Dein Vater sich darauf vorbereitete, die Kleine nach dem Tode ihres Begleiters von der Straße auflesen zu lassen und für gutes Geld als Sklavin zu verkaufen, musstest Du einfach handeln. Heimlich verließest Du das Haus und suchtest die nächstgelegene Herberge auf. Dort hörte Dir ein fremdländischer Kaufmann zu, der sich des Mädchens annahm und ihr das schreckliche Schicksal der Sklaverei ersparte. Doch Dein Handeln blieb nicht unbemerkt und mündete in einer Tracht Prügel und einem fürchterlichen Streit Deiner Eltern. Und es wurden Worte gesagt, die Dein Leben auf den Kopf zu stellen vermochten.

Schöne Facette für das spätere Ausspielen der Charaktere, denn die Wege zweier Spieler haben sich bereits in der Vergangenheit gekreuzt: Zum Hintergrund des Mädchens, einer Waldläuferin.

Die Lebenslüge Deiner Kindheit

Deine Mutter Leonora warf ihrem Mann wutentbrannt an den Kopf, er wäre ein widerlicher, verdorbener Gierschlund und sie verabscheute ihn zutiefst. Du wärst tatsächlich nicht der Sohn Malgatans, sondern der Bastard des Tharis Borius. Ein Kuckuckskind, das vom Blut und Geist edler als er wäre und die Hiebe eines bösartigen Tattergreises nicht verdiente. Was für eine Nachricht!

Blutvergießen in der Schreckensnacht

Malgatan – wie Du nun weißt: dein Stiefvater – erschlug in dieser Nacht Deine Mutter und trachtete auch Dir nach dem Leben. Mit Hilfe der Dienerin Siga konntest Du das Haus verlassen und in den Turm des Tharis fliehen. Davon hast Du noch einige Bilder im Kopf und an manche Details sind die Erinnerungen noch frisch wie damals, während Du Dich an andere traumatische Ereignisse dieser Stunden gar nicht mehr erinnern kannst.

Die schwere Entscheidung des Thari

So viele unbekannte Menschen, verwirrende Äußerungen und Eindrücke prasselten im Turm des Fürsten binnen kurzer Momente auf Dich ein. Nur einen Bruchteil verstandest Du. Dass der Thari Dein Vater wäre, Dich aber nicht offiziell anerkennte. Um einen Skandal zu vermeiden. Seine Frau Eilea äußerte sich feindselig Dir gegenüber und Deine Halbgeschwister Belas und Ariane waren offensichtlich so geschockt wie Du selbst. Die Atmosphäre war alles andere als herzlich und beruhigend und die Tragweite der folgenden Entscheidung für Dich kaum zu überblicken. Thari Borius beauftragte seinen Gefolgsmann Gladir, Dich ins Königreich Teros-Saral und damit aus der Gefahrenzone und aus dem Blick der Öffentlichkeit zu bringen.

Auf der Flucht: Überfall der Nachtklinge

Unendlich mühsam, zehrend, voller Angst und Ungewissheit gestalteten sich die Tage der Flucht. Klamme Verstecke im Sumpf, Strapazen beschwerlicher Wege, schlechte Witterung, wenig Schlaf und unappetitliche Nahrung machten die Reise für Dich zu einer Tortur. Ihr überwandet den Gebirgspass und gelangtet in den Süden des Königreichs Teros-Saral. Nach langer Zeit endlich ein Dach über dem Kopf, eine warme Mahlzeit und etwas Sicherheit. Vermeintlich. Denn Gladir stellte im letzten Moment einen Meuchler der Modrocker Assassinen-Gilde. Eine Nachtklinge! Beauftragt vom gehässigen Malgatan und euch hinterher gereist. Der Kampf der Männer war kurz und heftig und endete mit beiderseitigen Verwundungen in einem Patt, das ein Gespräch über Dich und Deine Herkunft in Gang brachte. Als Darok stellte sich der gedungene Mörder euch vor und nahm – obwohl ihm dafür die Verbannung aus seiner Bruderschaft und die Todesstrafe drohte – Abstand von seinem Auftrag. Denn zu abartig erschien ihm nun die Tat, die Malgatan unter geschickter Verzerrung der Wirklichkeit beauftragt hatte. Nicht mit ihm.

Die Finte, die Dir das Leben rettete

Am nächsten Morgen weihten Gladir und Dorak Dich in den von ihnen gefassten Plan ein. Und so geschah es: Der Getreue des Thari reiste zurück ins Fürstentum, um von Deinem Tod zu künden. Und um zu berichten, dass er den Attentäter beim Anschlag gestellt und mit dem Schwert tödlich verwundet hätte. Die Nachtklinge Dorak kehrte Modrock für immer den Rücken und begleitete Dich weiter auf Deinem Weg. Der euch bis in die Küstenstadt Aran führte, wo er sich als Dein verwitweter Vater ausgab und unter dem Namen Farmon ein Kaufmannskontor gründete.

Euer Leben in Aran

Farmon schottete Dich in Aran ziemlich ab und mochte es nicht, wenn Du allzu offen auf den Straßen, auf dem Markt oder in den Schänken der Stadt unterwegs warst. Bekanntermaßen avancierte er selbst nicht zu einem erfolgreichen Kaufmann, obwohl er umtriebig war. Was ihm nicht viel ausmachte. Seinen Andeutungen zufolge verdiente er euren Lebensunterhalt mit Tätigkeiten für Männer, die einem Bund namens Die Falken angehörten. Über Einzelheiten mochte er nicht sprechen. Ebenso wenig über seine Vergangenheit in der Gilde der Assassinen zu Modrock. Aber er war nur allzu gerne bereit, Dir einen Hauslehrer zu bezahlen und Dich auch selbst zu unterrichten: in Konzentrationsübungen und dem Wirken von Zaubern, im beidhändigen Dolchkampf und Verschmelzen mit den Schatten, athletischen Kunststücken und unendlich vielen Täuschungen. Was Dich begeisterte.

Auf ins Abenteuer

Von Deiner bewegten Vergangenheit ist vieles nicht mehr greifbar. Und würde von manchem Zuhörer sicherlich als Fantasterei abgetan werden, erzähltest Du einmal Deine Geschichte. Schreibe nun Deine eigene Geschichte! Was mag das Leben Dir bringen und welche Abenteuer erwarten Dich?

  Text - Beziehungen