Die Grafik zeigt den Buchtitel von der 500 Seiten starken Publikation DAS BUCH DER KÖNIGREICHE mit einer Pen-and-Paper Rollenspiel Welt.

Pen-and-Paper: Hintergrund eines Edelmanns

Charakterklasse aus dem Landadel

Das Bild zeigt ein Spinnennetz als Metapher für die Motivationen, Ziele und Wünsche der NSC und SC im Pen-and-Paper Rollenspiel. Eine Herkunft aus dem Landadel Dieser Hintergrund ist für einen adligen Charakter im Pen-and-Paper Rollenspiel gedacht. kann im Pen-and-Paper Rollenspiel eine interessante Herausforderung und Grundlage vieler interessanter Abenteuer sein. Diese Hintergrundgeschichte habe ich für einen meiner Spieler meiner Welt (Spielhilfe DAS BUCH DER KÖNIGREICHE) geschrieben:

Du stammst väterlicherseits von dem aus Brinala, Königreich Andor, stammenden Seemann Godwin ab. Dieser hat sich im Jahre 602 in Aran niedergelassen, um dort für das Brinaler Handelskontor zu arbeiten. Vom Matrosen über Lagerarbeiter zum Kaufmannsgehilfen hat er es immerhin schließlich bis zum Kontorschreiber gebracht. Diese Tätigkeit übt er auch heute – im Jahr 623 – noch aus. Das Brinaler Handelskontor ist über die letzten Jahre zu einem bedeutenden Handelspartner im Königreich Teros-Saral geworden. Dein Vater hat Dir gesagt, dass das Kontor in anderen fernen Ländern wie im Königreich Andor noch viel mehr Einfluss hat. Hinter dem Kontor sollen ein Dutzend der reichsten Brinaler Kaufleute stecken.

Das kleine Landgut Drei-Eichen-Hof

Mütterlicherseits liegt Deine Herkunft im niederen Landadel. Deine mütterliche Linie hat über viele Jahre ein kleines Landgut – den Drei-Eichen-Hof – südwestlich der Küstensiedlung Aran im Königreich Teros-Saral besessen. Das Gut wurde insbesondere über eine ausgeprägte Schafzucht finanziert. Die grünen Weiden entlang der Küste boten den Schafen reichlich Nahrung. Und ihnen machte das teilweise raue Seeklima wenig aus. Die eigentliche Landwirtschaft – also der Anbau von Getreide – stand eher im Hintergrund. Die Milch der Schafe wurde zu unterschiedlichen Milchprodukten wie Schafskäse verarbeitet. Darüber hinaus diente das Schaf als Quelle für Wolle und Fleisch. Für die große Schafherde des Guts gab es keinen eigenen Stall. Vom Gut angestellte Schafhirten begleiteten die Herde stets im Umland. Mehrere Schäferhütten standen ihnen bereit, sodass zumindest die Schäfer bei schlechtem Wetter mal einen Unterschlupf aufsuchen konnten. Das zweite Standbein stellten die Streuobstwiesen dar, die hauptsächlich Äpfel, Birnen und Zwetschgen lieferten. Über Generationen wurden robustere Baumsorten gezüchtet, die an der Küste gut gedeihen konnten. Weitere Details: Ernährung und Heilkunst im Königreich Teros-Saral.

Der letzte Gutsherr

Dein Großvater Edward war der letzte Gutsherr des kleinen Landgutes, das die Familie über Generationen einigermaßen gut über Wasser halten konnte. Er jedoch war ein Lebemann, der mehr Geld ausgab als er einnahm. Aufgrund von Misswirtschaft und Spielschulden hat er schließlich das Gut verloren und musste es im Jahre 603 mit seiner Familie – seiner Frau Kathrina, seinen Töchtern Helen und Astrid – verlassen und in die nahe Küstenstadt Aran ziehen. Dort wohnte die Familie einige Zeit in einem kleinen Haus. Edward fand zum Glück sofort eine Anstellung auf der Burg Bärenfels und konnte sie – wenn er nicht wieder mal alles versoff und verspielte – einigermaßen ernähren. Deine Großmutter Kathrina starb jedoch unerwartet früh. Und die Schwester (Astrid) Deiner Mutter (Helen) heirate einen Bauern und verließ die Familie bald darauf. Von da an lebte sie auf einem zwei Tagesreisen entfernten Hof.

Deine Geburt in der Küstenstadt Aran

Edwards Tochter Helen (Deine Mutter) lernte im Jahre 604 in Aran den um einige Jahre älteren Kontorschreiber Godwin kennen und lieben. Großvater Edward verkaufte fast sein gesamtes verbliebenes Hab und Gut und lieh sich Geld. Alles für eine Mitgift: Er ließ ein kleines aber feines Haus in Aran errichten. Über die Vordertür des Hauses platzierte ein Steinmetz das Familienwappen in das Mauerwerk. Nach Fertigstellung des Hauses zog das glückliche Paar im Jahr 605 ein. Und kurz danach brachte Helen dann Dich zur Welt. Die Geburt war nicht ganz einfach und dauerte sehr lange. Marissa, eine Kräuterfrau, die vor den Stadtmauern Arans in einem kleinen Häuschen wohnte, wurde von Godwin zur Hilfe gerufen und konnte offensichtlich auch helfen. Helen überlebte die Geburtsstrapazen, brachte danach aber keine Kinder mehr zur Welt. Es gibt manche Menschen in Aran, die für diese und andere Dinge Marissa verantwortlich machen.

Der Kämmerer des Burggrafen

Dein Großvater hatte seine wahre Freude mit Dir und Dich – bereits als Du noch ein kleiner Junge warst – gelegentlich mit zur Burg Bärenfels mitgenommen. Von klein auf hat Dich dieser Ort mit seinen ungewöhnlichen Menschen inspiriert und Dir Freude bereitet. Häufig hast Du Dir ausgemalt, dass Du einmal Burggraf sein könntest (mehr über Titel und Ämter im Königreich Teros-Saral). Bei einem Spiel mit anderen Kindern seid ihr einmal unerlaubterweise durch die Hauptburg getobt und habt dabei eine kostbare Vase zertrümmert. Daraufhin hast Du es mit dem Kämmerer zu tun bekommen und Deinen Großvater in ganz schöne Not gebracht. Denn mit Geld konnte er nach wie vor nicht umgehen. Und den Schaden musste er begleichen.

Fürchte den fetten Seneschall

Kurz darauf – im Jahre 612, du warst noch keine acht Jahre alt – wurdest Du als Laufbursche auf Burg Bärenfels angestellt und konntest – selbst wenn nichts zu tun war – Dich auf der Vorburg aufhalten. Dass Du dort nicht zum Spielen verweilen solltest, haben die Bediensteten – und an ihrer Spitze der fette Seneschall Torbet – Dir mit einigen Ohrfeigen schnell beigebracht. Torbets wütenden Gesichtsausdruck mit seinen feisten, geröteten Backen, seinen dunklen Augen, auffälligen Tränensäcken und einer Zornesfalte auf der Stirn hast Du in den kommenden Jahren mehrfach aus der Nähe sehen dürfen.

Dein erster Schwertkampf

So hast Du – wenn Dir gerade keine Aufgabe zugeteilt war – in Deiner Jugend die Ausbildung der Soldaten durch den Konnetabel Arik im Burghof fasziniert verfolgen können und bereits als Zuschauer einiges gelernt. Dabei konntest Du einmal beobachten, wie der Konnetabel zur Demonstration gegen drei mit Schwertern bewaffnete Soldaten gleichzeitig mit nur einem Holzschwert angetreten ist und sie mühelos ausgeknockt hat. Das hat Dich so sehr beeindruckt, dass Du alten Torwächter Eadric bestürmt hast, er solle Dir den Schwertkampf beibringen. Weil Du nicht aufgeben wolltest, hat Eadric irgendwann nachgegeben und Dir ein paar Lektionen gezeigt. Aus ersten Übungen wurde mehr. Und als es an der Zeit war, eine scharfe Klinge in die Hand zu nehmen, kaufte Dein Großvater Edward Dir ein altes schartiges Langschwert.

Sprösslinge des Burggrafen

Über die Jahre hinweg hast Du Dich mit mehreren Kindern von Bediensteten angefreundet und auch zeitweise mit den Sprösslingen des Burggrafen gespielt. Nachdem es jedoch – Du warst etwa zehn Jahre alt – zu einer Prügelei zwischen Dir und Cyrian, dem ältesten Sohn des Burggrafen Akin und Lady Merisha, gekommen war, bekamst Du die Burggrafen-Kinder nur noch selten zu Gesicht. Cyrian, der ein Jahr älter war als Du, hast Du von daher noch in schlechter Erinnerung. Er schien ein arroganter und unfairer Junge gewesen zu sein. Im Gegensatz dazu hast Du Dich mit der etwa gleichaltrigen Tochter Tamalia und dem mehrere Jahre jüngeren Aramir gut verstanden. Du hattest den Eindruck, dass sie unter ihrem älteren Bruder ganz schön zu leiden hatten.

Der Künstler im zugigen Rundturm

Immer dann, wenn Dir zu langweilig oder das Wetter zu schlecht zum Herumbalgen im Freien wurde, bist Du zu Perain – einem vom Baron geförderten Künstler – in den alten zugigen Rundturm in der Vorburg gegangen, wo er bis heute ein Geschoss bewohnt. Perain hast Du insbesondere im Alter von zehn bis vierzehn Jahren viel besucht. Er hat Dich über die Jahre immer freundlich behandelt und sich bei seinen Arbeiten – Ölmalerei, kleinen Skulpturen aber auch dem Komponieren – über die Schulter schauen lassen.

Entdeckung magischer Fähigkeiten

Wie auch immer es passierte, in diesen Tagen hast Du zum ersten Mal Deine schwachen magischen Fähigkeiten entdeckt und von Zeit zu Zeit etwas ausprobiert. Ohne sie zu trainieren, ohne Unterricht schienen sie sich von alleine weiter zu entwickeln. Aber langsam. Erst glückten Dir ein paar belanglose Spielereien. Über die Jahre gelang Dir dann immer mehr.

Edelmann ohne Landgut

Dann kam der Zeitpunkt, der Dein Leben entscheidend veränderte. Viel zu selten konntest Du mit Eadric den Schwertkampf üben, bei Perain Zeit totschlagen oder über Deine magischen Fertigkeiten nachdenken. Mit 14 Jahren entließ der Seneschall Torbet Dich aus dem Dienst eines Laufburschen. „Wer satt werden will, muss auch richtig arbeiten!“ war seine Devise. Und so teilte er Dich mit den Worten „Das ist doch eine gute Arbeit für unseren kleinen Künstler!“ für den Bautrupp ein, der die Instandhaltung und Erweiterung des Mauerwerks zuständig war. Unter den wachsamen Augen des Baumeisters warst Du von da an Tag um Tag damit beschäftigt, Steine zu schleppen und Mörtel anzurühren. Diese Arbeit brachte Dir gar keinen Spaß, denn nach jedem Winter hatte der Frost das Gestein an neuen Stellen bersten lassen. Ein Ende der Arbeit war nie abzusehen. Wenn ihr an einer Stelle fertig wart, konntet ihr an einer anderen von vorne anfangen. An den Abenden warst Du häufig ziemlich geschafft, nachdem Du Dich nach Hause geschleppt hattest, um Deine müden Glieder auszuruhen und kleine Verletzungen behandeln lassen. Deine Klagen fanden Gehör bei Deiner Mutter Helen, Dein Vater Godwin reagierte da schon etwas barscher. Er erinnerte euch immer daran, dass ihr kein Landgut habt und nur durch eure Hände Arbeit – ehrliche Arbeit – überleben könnt. Dabei verwies er meist stolz auf sein Einkommen, das er als Kontorschreiber erhielt, weil er sich diesen Status eben erarbeitet hatte.

Die junge Lady

Als Du im nasskalten Herbst 620 (im Alter von 15 Jahren) dann – völlig von der Arbeit erledigt und schmutzig – von einem Baugerüst – gestürzt bist, warst Du ein paar Sekunden nicht bei Bewusstsein. Als Dein Blick wieder klar war, standen zahlreiche Leute um Dich herum. Und ein Engel. Wie Du kurz darauf feststelltest, war der Engel die Tochter des Burggrafen, Tamalia. Sie hatte sich für einen Ball fein gemacht und war zu einer jungen Lady geworden. Sie beugte sich über Dich schaute nach Deinen Verletzungen. Du warst sofort Hals über Kopf verliebt und bekamst kaum ein gescheites Wort heraus. Beendet wurde der Moment durch den Seneschall Torbet, der Anweisungen gab, Dich wegzuschaffen und die junge Lady an ihre Herkunft erinnerte. Noch am selben Abend kam der missgünstige und stets griesgrämige Seneschall Torbet in Dein Zimmer und machte Dir mit gehässigen Worten sehr deutlich klar, wohin Du zu gehören hast. Immerhin von Deinen Sturzverletzungen hast Du Dich relativ schnell erholen können.

Alter Edelmann im Schuldturm

Wie ein Schlag hat es Dich getroffen, als Dein Vater Godwin Dir eines Abends im Frühsommer 621 (Du warst 16 Jahre alt) mitteilte, dass Großvater Edward in den Schuldturm gebracht worden sei. Edward, der im Alter von beinahe 70 Jahren noch immer als Diener am Hofe des Burggrafen Akin arbeitete, wurde aufgrund überfälliger Spielschulden in den Schuldturm gesperrt. Im Gegensatz zu den vielen vorherigen Krisen war er jedoch diesmal nicht in der Lage, seine Schulden zu begleichen. Pelegir, der Hofnarr, der ihm bis dato häufiger Geld geliehen hatte, forderte nun seinerseits auch ein stattliches Sümmchen zurück. Man nahm Edward alles, was er an Hab und Gut besaß und fand in seinem Häuschen auch einige Kleinigkeiten aus dem Haushalt des Burggrafen, die er entwendet haben musste. Kurz darauf verurteilte man ihn dazu, solange zu schmoren, bis seine Schulden beglichen wären und legte fest, dass ihm danach die rechte Hand abzuschlagen sei.

Heiratspläne des Burggrafen

Zu allem Unglück kursierten im Sommer 621 Gerüchte, dass der Burggraf für seine Tochter Tamalia Heiratspläne schmiedete. Auch wenn es ein dreiviertel Jahr her war, dass Du sie aus der Nähe betrachten durftest, war die Erinnerung daran noch sehr stark. In dieser Zeit hast Du nicht viele Nächte durchschlafen können. Schließlich nahmst Du Dir ein Herz und bist eines Abends in die Hauptburg geschlichen. Doch Du wurdest von einer Wache entdeckt und zum Seneschall Torbet gebracht, der Dich daraufhin – wen wundert es? - grün und blau geprügelt hat.

Trauriges Ende eines Edelmanns

Deine blauen Flecken war noch nicht verheilt, da konntest Du den gierigen Büttel Brubai aus dem Schuldturm mit Deinem gesamten angesparten Vermögen von einem Silberstück und ein paar kleineren Münzen bestechen. Er ließ Dich endlich zu Deinem Großvater in die Zelle des Schuldturms. Edward hast Du kaum wieder erkannt. Zum ersten Mal wurde Dir bewusst, dass Du einen alten Mann vor Dir hattest. Viel schlimmer wog aber, dass sein Mut und Lebenswille gebrochen zu sein schienen. In den darauf folgenden Monaten hast Du ihn immer wieder besucht und versucht, Hoffnung in ihm zu wecken. Doch die gab es kaum. So konntest Du verfolgen, wie Großvater zum Winter abmagerte, krank wurde und schließlich vor dem Einsetzen des Frühlings im Jahr 622 (Du warst 17 Jahre alt) elendig starb. Der Großvater war stets ein Vorbild für Dich, sodass sein Tod Dich arg mitgenommen hat. Der leblose Körper des einst stolzen Edelmanns wurde an Deinen Vater Godwin übergeben und – wie es Sitte ist – eingeäschert, konnte aber nur in einem schlichten Grab in Aran beigesetzt werden. Nur eine einfache steinerne Grabplatte erinnerte von da an ihn – den früheren Herrn des Landgutes Drei-Eichen-Hof.

Nur ein Narr prügelt sich mit einem Narren

Nach diesen Schicksalsschlägen hast Du häufiger die Schänke „Zur Phalanx“ aufgesucht, die von Dariella, der Frau eines Schmiedes und ehemaligen Soldaten, geführt wurde. Dort konntest Du Dich gelegentlich mit dem Torwächter Eadric treffen und betrinken. Und mit den Schankkellnerinnen schäkern. Diese Sauferei stieß bei Deinen Eltern jedoch gar nicht auf Gegenliebe. Manchmal hast Du Dich so sehr betrunken, dass Du am nächsten Tag kaum mehr wusstest, wie Du nach Hause gelangt bist. Während eines Abends kam es dabei zu einer Auseinandersetzung mit dem Narr Pelegir, der das eine oder andere Mal in 'der Phalanx' zum Glücksspiel erschien. In sturzbetrunkenem Zustand. So unterhaltsam und einschmeichelnd Pelegir unter den hohen Herrschaften auf der Burg auch war, hier verhielt er sich anders. Als er eines Abends zum wiederholten Male in lustiger Runde verlor, geriet er sehr in Wut und beschimpfte die anwesenden Spieler. Als Eadric und Du für etwas Ruhe sorgen wolltet, beschimpfte er Dich höhnisch als 'Schuldgraf', als einen dahergelaufenen Bauernjungen, der mit zu hoch erhobener Nase durch die Welt liefe. John, der kräftige Schmied, musste daraufhin dazwischen gehen, um Gewalttätigkeiten zu verhindern.

Eine Welt voller Abenteuer

Ein paar Tage später hast Du Deine Anstellung als Arbeiter im Bautrupp der Burg aufgegeben. Nach allem, was passiert war, mochtest Du Dich einfach nicht mehr auf der Burg aufhalten. Seitdem lungerst Du viel in der Stadt – eben auch in „der Phalanx“ – herum und langweilst Dich. Gelegentlich hilfst Du beim Entladen und Beladen von Schiffen – alles anstrengende und wenig einbringende Tätigkeiten, die Dein Vater Godwin Dir verschaffte. Soll das alles sein? Du möchtest doch mehr aus Deinem Leben machen, oder? Eine Welt voller Abenteuer wartet auf Dich!

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